Wie nutze ich Yoga im Alltag?

Passend zu meiner frisch beendeten Sommerpause habe ich mir überlegt, den ersten Tagebucheintrag der wundervollen Frage „Wie nutzt du Yoga für dich im Alltag?“ zu widmen. Denn ich glaube, dass Yoga den Umstieg von Urlaub (und den damit verbundenen Freiheitsgefühlen) auf den ja doch oftmals termin- und arbeitsreichen Alltag erheblich erleichtern kann.

Bevor ich dir erzähle, wie ich Yoga in meinen Alltag einbaue, möchte ich dich daran erinnern, dass der Weg eines jeden sehr individuell und unterschiedlich ist. Das heißt, dass es so, wie ich es praktiziere, für mich funktioniert. Das heißt nicht, dass es genauso für jemand anderen funktioniert. Es kann – muss aber nicht. Es ist ja sogar so, dass es nicht mal für mich jeden Tag gleich funktioniert. 😉

Und, damit möchte ich einsteigen, für mich ist Yoga keine Sportart. Viel mehr ist Yoga für mich mittlerweile meine Art zu leben geworden. Das mag vielleicht komisch für dich klingen, vielleicht ist es dir aber auch bereits bekannt: Yoga ist, anders als in unserer westlich geprägten Welt oftmals dargestellt, soooo viel mehr, als nur Zeit auf der Matte zu verbringen oder sich ein bisschen zu dehnen. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen: Meditation, Atmen, .. das alles kann ganz zu deiner Yogapraxis gehören oder sie sogar darstellen. Ganz ohne die klassische „ aktive Praxis“ kann Yoga außerdem eine Art zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen sein:  gut und behutsam mit sich selbst und den eigenen Ressourcen umzugehen, auch fernab von der Matte. Gleichermaßen die Achtung unseres Planeten, und aller auf ihm lebenden Wesen, sei es Mitmenschen, Tiere oder Pflanzen. Das alles mögen auf den ersten Blick unterschiedliche Aspekte sein – im Kern sind sie aber eins. Wie so oft, ist der Stein ein Mal ins Rollen gekommen, treibt er oft eine Kette von Veränderungen an. Bevor ich jetzt aber zu sehr abschweife, nun erst Mal zu meinem (Yoga-)Alltag. Bei Zeit werde ich dann sicher etwas zu ein wenig mehr Yogahintergrund und –philosophie schreiben.

the secret of your future is hidden in your daily routine

Da ich im Schichtdienst arbeite, habe ich nicht den ganz klassischen „9 to 5“- Alltag und passe entsprechend auch meine Yogapraxis an die Herausforderungen an, vor die der Tag mich so stellt. Ich stelle mir dafür gerne vor, dass ich mir irgendwann mal einen kleinen Yoga-Rucksack gepackt habe, den ich mit durch mein Leben nehme. Manches von dem, was ich da so geschultert habe, nutze ich täglich – anderes bei Bedarf. Hierbei gibt es für mich kein Richtig und auch kein Falsch, ich habe mittlerweile für mich entschieden, dass mir selbst nichts beweisen muss und einfach das mache(n möchte), was mir gut tut.

Für mich ist tatsächlich die wichtigste Zeit meiner täglichen Yogaroutine der Morgen. Warum erkläre ich dir gleich. Mein Morgen kann übrigens auch manchmal erst mittags sein, wenn ich Nachtdienst hatte. 😉 Ich starte in der Regel seit längerer Zeit jeden Tag mit mind. 10-20 Minuten für mich. Ich versuche, das Handy bis dahin Handy sein zu lassen, und auch sonst außer dem obligatorischen Pipimachen am Morgen noch nichts zu machen. Dann entscheide ich intuitiv, was sich für mich gerade am besten anfühlt.

Habe ich nur begrenzt Zeit, greife ich auf mein „Standardprogramm“ zurück:
Meditieren und mir den Tag innerlich vor Augen führen. Meist notiere ich mir meine festgelegten Termine, meine selbst gesteckten Ziele (egal, wie banal sie manchmal wirken: einkaufen, Wäsche waschen und so) und schreibe mir vor allem auf, wo und wie ich mir „Me-Time“ einbauen kann. Ganz wichtig. Meine Bedürfnisse sollen nicht bei allen Terminen und To-Dos hinten runterfallen müssen. Außerdem frage ich mich jeden Morgen „Wofür bin ich heute dankbar?“ und schreibe mir dies auch auf. Das ist bestimmt nichts Neues für dich, denn es ist zum Glück in den letzten Jahren zu einem Trend geworden. Vollkommen zu  Recht! Es ist super simpel und super effektiv. Manchmal fallen mir drei, manchmal hunderte Dinge ein. Allein daran, wie leicht (oder schwer) es mir fällt, meinen Geist in der Meditation zu lenken und den Fokus zu halten, mir meinen Tag zu strukturieren und Dankbarkeit zu spüren,  merke ich schon, wie es mir so geht. Zuletzt setze ich mir dann selbst eine passende Intention für den Tag.

Jetzt, wo ich es schreibe, liest es sich fast, als würde das alles suuuper lange dauern. Das sind aber in der Regel wirklich maximal 10 Minuten. Und die nehme ich mir mittlerweile sogar vor dem Frühdienst. Ich habe nämlich gemerkt, wie viel bewusster ich so in den Tag starte und mich nicht sofort von Social Media, den Radionews oder den Nachrichten auf meinem Handy ablenken lasse oder einfach wie im Autopiloten das Haus verlasse. Ich mache mich selbst zur Priorität und zumindest mir bringt das sehr viel mehr, als 10 Minuten länger im Bett zu liegen.

Habe ich etwas mehr Zeit, rolle ich meist unmittelbar anschließend meine Yogamatte aus, mache ein paar Sonnengrüße, einen intuitiven Yogaflow oder ein Workout, gehe direkt raus, spaziere eine Runde oder gehe laufen. Jetzt im Sommer fahre ich auch unheimlich gern an den See und schwimme eine kleine Runde. Manchmal, wenn ich merke, dass mir Bewegung jetzt zwar gut tun würde, ich mich aber selbst nicht so ganz dazu motiviert bekomme, mache ich mir auch ganz easy ein Youtube-Video an und los geht’s. Der entscheidende Punkt ist, nicht zu viel nachzudenken, sondern einfach zu machen.

Und warum das alles Morgens?
Um einzuchecken.. in Ruhe. Morgens habe ich es selbst in der Hand, wieviel Zeit ich mir gönnen möchte. Denn wann ich aufstehe, das liegt ganz an mir. Ja – das ist nicht jeden Morgen super easy und manchmal sitze ich auch eher wie Grumpy Cat da, habe keinen Bock und frage mich, wieso ich mir das alles antue. Aber spätestens, wenn ich es durchgezogen habe, siegt der Stolz und die Glückshormone machen ihre Arbeit. Diese Energie mit in den Tag zu nehmen, ist jeden Morgen aufs Neue ein Geschenk.

great things never came from comfort zones

Mein Abend hat keine ganz so konkrete Struktur. Daran arbeite ich noch ein wenig – merke jedoch, dass es mir sehr viel schwerer fällt als morgens, da ich eher abhängig von anderen und/oder der Arbeit bin. Das ist auch vollkommen okay so und deswegen stresse ich mich da nicht. Ich habe mir jedoch angewöhnt, vor dem Schlafengehen wenigstens noch mal einen Blick in meine morgendlichen Notizen zu machen. Beim Zähneputzen hake ich dann gedanklich ab, was ich erledigt habe und ob ich auch gut auf mich Acht gegeben habe. Ich versuche also, meinen Tag ganz bewusst Revue passieren zu lassen und meine Erkenntnisse zu ordnen, bevor ich ins Bett gehe. Wenn ich merke, dass ich an irgendetwas intensiver zu knabbern habe und meine Gedanken sich verselbstständigen, nehme ich mir auch gerne nochmal ein paar Minuten: meditieren, intuitiv ein paar Bewegungen oder Atemübungen helfen mir in der Regel sacken zu lassen. Dann kann ich viel beruhigter schlafen, denn insgesamt brauche ich aufgrund fehlendem Bio-Rhythmus meist eher lange um einzuschlafen.

Nun besteht der Tag aber ja nicht nur aus einem Morgen und einem Abend und klar, Yoga begleitet mich natürlich auch zwischendurch. Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen und auch hier schaue ich immer individuell, was mir zusagt. Um mal von der ganz klassischen Mattenpraxis zu sprechen, ist diese natürlich oft von den Kursen geprägt, die ich gebe. Yoga zu unterrichten gibt mir unheimlich viel Energie und ich nehme jedes Mal ganz viel für mich mit. Gehe ich aber rund 2-3x wöchentlich rein für mich auf die Matte, überlege ich mir tatsächlich angelehnt an die Uhrzeit, was mir mein Yogarucksack so zu bieten hat. Während der Yogapraxis wird Energie immer in irgendeine Richtung gelenkt: Am Morgen/ Vormittag bin ich entsprechend eher kraftvoll und dynamisch unterwegs, während ich nachmittags/abends das Tempo rausnehme und mir mehr Zeit nehme durchzuatmen.

A propos Atmen. Meine Atmung zu beobachten ist mittlerweile ebenfalls ein fester Bestandteil meines Alltags geworden. Sitze ich z.B. auf der Arbeit und merke, dass mein Kopf dicht macht, lenke ich meine Aufmerksamkeit bewusst für ein bis zwei Minuten auf einen ruhigen und bewussten Atem. Oft geht es mir danach schon viel besser. Ebenso im Auto, im Wartezimmer, zu Fuß unterwegs oder oder oder.. Meinen Atem zu beobachten hat mir schon manches Mal die Augen geöffnet und mir geholfen, mich vom Außen zurück zu mir zu bringen.

it’s not about being selfish, it’s about making yourself a priority in your life

Meine Empfehlung an dich ist – Überraschung, Überraschung – hör auf dich! Auf den allerersten Impuls. Der ist meistens der Richtige. Sehnt dein Körper sich nach Ruhe: gib sie ihm. Ja, auch schlafen und ruhen kann ein sehr effektives Mittel sein. (Das ich an dieser Stelle nicht diese kleine gemeine Stimme am Morgen meine, die einem einredet, man muss dringend für immer weiter schlafen, erklärt sich von selbst. 😉 Merkst du aber, dass du total schlapp und ko bist, dann ruh dich aus. Ganz einfach.) Spürst du, dass dein Körper eher unruhig und zappelig ist: beweg dich. Dein Körper zwickt und zwackt: hör ihm zu und schenke deinem Körper genau dort Aufmerksamkeit. Sind deine Gedanken total wirr und du gestresst: Atme tief durch und schreib es vielleicht einfach mal auf. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass wir unseren Körper nicht getrennt von unseren Gedanken und Gefühlen betrachten sollten. Unser Körper spricht mit uns und er sucht sich seine Ventile.

Je mehr du ihm und damit dir selbst zuhörst, umso mehr wirst du über dich lernen. Routinen zu etablieren, heißt nicht sofort alles perfekt zu machen und nicht, etwas stundenlang tun zu müssen. Zehn Minuten am Tag sind letztlich zehn Minuten, die dir keiner mehr nehmen kann. Was du in diesen zehn Minuten tust, ist im Endeffekt total egal – solange es dir gut tut. Du musst niemandem etwas beweisen, am wenigsten dir selbst, und wenn du es mal ausfallen lässt, dann ist das eben so. Don’t stress. Bleib flexibel. Fällt es dir aber ingesamt total schwer, dir überhaupt mal Zeit für dich zu nehmen, ist es sicher auch ein adäquates Mittel dir in der Woche einen verbindlichen Termin zu setzen oder dich sogar irgendwo fest anzumelden. Zum Beispiel zum Yoga. Bei mir. 😉 Spaß beiseite. Das wichtigste ist meines Erachtens wirklich, nicht zu streng mit sich selbst zu sein. Das sind wir nämlich sowieso viel zu oft.  Auch wenn es mal nicht so klappt mit der (Yoga)Routine: Fang einfach wieder an. Nicht nachdenken. Nicht dir selbst was beweisen wollen. Einfach machen. Und lächeln.

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